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Die Städteplanung, das ständig steigende Verkehrsaufkommen, die Wohnsituation in
Hochhäusern und die sich verändernden Familienstrukturen berücksichtigen in vielerlei
Hinsicht nicht die Bedürfnisse der Kinder nach Bewegungsspielraum und -freiheit. Viele
Kinder sammeln ihre Erfahrungen aus zweiter Hand - übermäßiger Fernseh- und Videokonsum,
das Spiel mit Gameboy und Computer und der sporadische Besuch eines Erlebnisparks ersetzen
das eigene Erleben. Die Zahl der Kinder mit Haltungsschwächen (evtl. auch ernsthaften
Schäden), mit Übergewicht, mit Beeinträchtigungen der Bewegungsentwicklung, des Verhaltens
und der Leistungsfähigkeit nimmt ständig zu.
Prof. Ernst Kiphard erkannte schon sehr früh, daß diese Störungen nicht isoliert auftreten,
sondern die Gesamtpersönlichkeit betreffen. In den 60er Jahren entwickelte er mit Dr.
Künnekens in der Arbeit mit auffälligen und entwicklungsgestörten Kindern und Jugendlichen
die psychomotorische Übungsbehandlung, die im Laufe der Jahre in das Konzept der
ganzheitlichen psychomotorischen Erziehung Eingang fand.
In diesem Konzept, das die enge Verflechtung von psychischen und motorischen Vorgängen
deutlich machen will, wird die Bewegung als Mittel zur Unterstützung von
Entwicklungsprozessen benutzt, weil das körperliche Erleben einen guten Zugang zum
Psychischen eröffnet. Es ist leichter, durch Bewegungsspiele den Kontakt zum Kind
herzustellen und es zum Mitmachen anzuregen.
Aufgrund der sehr positiven Auswirkungen für Kinder haben sich die Anwendungsbereiche und
Lerninhalte der Psychomotorik ständig erweitert. Konzentrationsprobleme, leichte
Ablenkbarkeit, Kommunikationsschwierigkeiten gehören ebenso dazu, wie
Verhaltensauffälligkeiten, z. B. bei Kindern, die stark gehemmt sind, ein überängstliches
Verhalten zeigen oder aber auch Aggressivität oder Bewegungsunruhe.
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